"Nazis sind kritikresistent, die lernen einfach
nichts."
Interview
von Delta Press für indymedia mit einer Aktivistin
des AK Antifa Mannheim zum geplanten Naziaufmarsch
am 15. Juli in Mannheim, Gegenaktionen und der landesweiten
Demo gegen Repression in Stuttgart.
erschienen am 4.7.2006
DeltaPress: Am 15.Juli haben Nazis aus dem Umfeld
des Aktionsbüro Rhein-Neckar eine Demonstration
in der Mannheimer Neckarstadt angemeldet. Kannst du
kurz etwas dazu sagen?
Die
Demo wurde von Rene Rodriguez Teufer aus Viernheim
angemeldet, neben Matthias Hermann und Christian Hehl,
einem der zentralen Führungskader des AB Rhein-Neckar.
Das AB Rhein-Neckar ist ein Bündis der lokalen
Nazikameradschaften in der Rhein-Neckar Region. Federführend
sind dabei die Kameradschaft Bergstrasse, die Kameradschaft
Kurpfalz, sowie die NPD Strukturen um Christian Hehl.
Das AB kann auf einen festen Kern von ca. 70 AktivistInnen
in der Region bauen. Bekannt geworden ist das AB vor
allem durch den Hack ihres internen Forums. Internetaktivisten
hatten das Forum in Winter 2005 gehackt. Dadurch wurden
die Strukturen der lokalen Naziszene der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht.
Die
Demoroute der Nazis verläuft durch die Neckarstadt
zwischen Neuem und Alten Messplatz Am Jugendzentrum
ist eine Zwischenkundgebung geplant. Zur Zeit prüft
die Stadt, inwieweit die Demo überhaupt genehmigungsfähig
ist oder sogar ganz verboten wird. Am selben Tag ist
neben der Arena of Pop, zu der zwischen 50.000 und
100.000 Menschen erwartet werden, noch das interkulturelle
Fest in der Neckarstadt West mit einer antirassistischen
Demonstration. Dieses Fest findet am alten Messplatz
statt, wo die Nazis eine ihrer Zwischenkundgebungen
abhalten wollen.
DeltaPress:
Warum wollen die Nazis an diesem Tag in der Neckarstadt
aufmarschieren?
Dafür
gibt es zwei Gründe.
Zum einen ist den Nazis das Jugendzentrum in Selbstverwaltung
schon lange ein Dorn im Auge. Die Prinzipien und Werte,
die dort gelebt und gelernt werden, wie Basisdemokratie,
Solidarität, der antirassistische, antisexistische
und antifaschistische Grundkonsens, stehen der menschenverachtenden
Ideologie der Nazis diametral entgegen. Natürlich
hassen die Nazis das JUZ auch für die politische
Arbeit die hier gemacht wird und für die Gruppen
die sich hier treffen können, sei es der AK Antifa
oder das Bündnis Courage. Wer sich für Gleichberechtigung
und Antirassismus stark macht, hat natürlich
mit dem Hass der Nazis zu rechnen. In seiner 33jährigen
Geschichte gab es schon zahlreiche Übergriffe
auf das JUZ. Seien es versuchte Überfälle,
Brandstiftung oder Nazigraffiti. Dass sich die Nazis
auf's JUZ einschießen ist somit nichts neues.
Zum
Anderen findet am 15 Juli eine landesweite Antirepressionsdemonstration
in Stuttgart statt. Diese wurde durch das AABW (Antifaschistische
Aktionsbündnis Baden Württemberg) initiert.
Dort wird am 15. Juli der zunehmende sicherheitsstaatliche
Ausbau des Ausbeutungs und Akumulationsregimes kritisiert
werden.
In einer landesweiten Vernetzung von antfaschistischen
Gruppen sehen die Nazis, natürlich zu Recht,
eine Bedrohung für ihr menschenverachendendes
Handeln.
Die Demonstration in Mannheim wurde, wie auch eine
Demonstration in Friedrichshafen nur mit dem Grund
angemeldet, die antifaschistische Mobilisierung nach
Stuttgart zu spalten und so die Demonstration zu einem
Mißerfolg werden zu lassen.
Diese
Idee ist nicht neu. Bereits im vergangen Jahr hatte
der Möchtegern Hitlerjunge Lars Käppler
versucht mit Demonstrationsanmeldungen die AABW Demo
gegen sein Haus in Rosenberg bei Schwäbisch Hall
zu schwächen. Auch in Mannheim wurde für
diesen Tag eine Kundgebung der NPD angemeldet.
Wir
haben natürlich im Vorfeld der Mobilisierung
zur Antirepressionsdemonstration nach Stuttgart mit
solch einer Strategie gerechnet. Die lokalen Nazistruktruren
vom AB Rhein-Neckar machen in der Regel immer alles
nach, was ihr Gröfaz Käppler so anleiert.
Zumal sich die Nazistrukturen in Süddeutschland
sowieso gerade in einer hyperaktiven Phase befinden
und allerorten irgenwelche Kleinstdemos und Kundgebungen
durchführen.
DeltaPress:
Wie bewertet ihr diese Strategie?
Nazis
sind kritikresistent, die lernen einfach nichts. Sonst
hätten sie bereits nach dem gescheiteterten Spaltungsversuch
in Hohenberg gemerkt, dass AntifaschistInnen nicht
auf so ein plumpes Vorgehen reinfallen. Die Demo in
Hohenberg war mit 1500 TeilnehmerInnen eine der größten
seit Jahren in Baden Württemberg. In Mannheim
war der NPD Stand ein voller Reinfall, weil er von
200 BürgerInnen belagert wurde. Sogar in der
BILD Zeitung hat man sich danach über die Nazis
lustig gemacht.
DeltaPress:
Was ist denn nun am 15 Juli angesagt?
Nie
war es leichter die Nazis zu schlagen! Einfach eine
Busfahrkarte für den Mannheimer Bus kaufen, oder
eben selbst zur Demo nach Stuttgart fahren. Unabhängig
von dem, was in Mannheim passiert, ist eine starke
Demonstration der eigentliche Sieg für uns AntifaschistInnen
an diesem Tag.
Die Nazis nehmen sich selbst anscheinend wirklich
so wichtig, dass sie glauben wir würden unsere
eigenen politischen Inhalte für sie hintenanstellen.
Ganz klar, der AK Antifa Mannheim mobilisiert weiter
nach Stuttgart und ruft alle AntifaschistInnen und
GenossInenn dazu auf, sich an der landesweiten Antirepressionsdemonstration
zu beteiligen.
In
Mannheim existieren genug andere Gruppierungen, die
an diesem Tag den Widerstand gegen die Nazis auf die
Strasse tragen werden. Das Bündis gegen Rechts
in Mannheim hat bereits angekündigt auch diese
Nazidemo blockieren zu wollen. Auch gibt es gerade
in der Neckarstadt genug Menschen, seien es Linke
oder MigrantInnen, die absolut keinen Bock auf Nazis
haben und das diesen auch gehörig nahe bringen
werden. Und natürlich werden sich auch zahlreiche
Jugendliche, die im JUZ aktiv sind (wenn sie nicht
mit nach Stuttgart fahren), an den Widerstandsaktionen
beteiligen.
Insgesamt
geht es aber auch darum, Nazistrukturen nicht nur
dann zu bekämpfen wenn sie sich mal wieder im
Bullenspalier durch irgenwelche Städte eskortieren
lassen, sondern alle Versuche der Nazis, sich dauerhaft
festzusetzen und akzeptierter Teil der Gesellschaft
zu werden zu sabotieren. Diesen langfristigen Ansatz
werden wir weiter verfolgen.
DeltaPress:
Was ist den in Mannheim jetzt schon konkret geplant?
Wie
gesagt, es findet das interkultuelle Fest mit Demonstration
in der Mannheimer Neckarstadt statt. Wir rufen alle
Menschen, die keinen Bock auf Nazis haben, dazu auf,
sich daran zu beteiligen. Außerdem werden vorraussichtlich
verschiedene antifaschistische Kundgebungen angemeldet
werden. Das JUZ ruft ebenfalls zur Teilnahme auf.
Da das ganze sehr kurzfristig ist, lohnt es sich,
immer wieder einschläge Homepages wie http://de.indymedia.org
oder http://akantifa-mannheim.de zu checken, dort
werden aktuelle Neugigkeiten schnellstens gepostet.
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