Offener
Brief zur Nazi-Gewalt in der Pfalz
an Ordnungsämter, Parteien und Initiativen in
Rheinland-Pfalz
Am
Samstag, den 14. April 2007 kam es in Ludwigshafen,
Landau, Kaiserslautern und möglicherweise in
weiteren Städten zu Propagandaaktionen der regionalen
Nazi-Szene. In diesem Zusammenhang kam es von Seiten
der Nazis zu mindestens drei gewalttätigen Übergriffen,
bei denen mehrere Jugendliche verletzt wurden. Die
Propagandaaktionen der Nazis waren offenbar ordnungsgemäß
angemeldet und von den jeweiligen Ordnungsämtern
verschwiegen worden. Damit wurde es den Nazis nicht
nur ermöglicht, ohne antifaschistischen Protest
Propaganda zu verbreiten, sondern auch, auf unliebsame
Personen einzuschlagen.
Die
NPD hatte in oben genannten Städten Infotische
organisiert und dabei rechtsextreme und antisemitische
Propaganda, unter anderem die sogenannte "Schulhof-CD"
und völkische Flugblätter gegen Globalisierung
verteilt. In Landau waren dabei zusätzlich 20
Nazi-Schläger aus dem Kameradschaftsspektrum
angereist, in Ludwigshafen waren bekannte Nazikader
von NPD und "Aktionsbüro Rhein-Neckar"
vor Ort.
In
Neustadt wurde auf dem Heimweg ein Jugendlicher von
Nazis angegriffen, in Heidelberg kam es abends zu
einem Übergriff. In Landau wurden drei Jugendliche
am nächsten Tag von zehn Nazis zusammengeschlagen
und -getreten. Am darauffolgenden Dienstag kam es
zu Nazischmierereien an einer Moschee in Ludwigshafen.
Dies sind nur einige Beispiele der letzten Woche,
die öffentlich gemacht wurden. Die Dunkelziffer
rechtsextremer Gewalt in der Pfalz ist um ein vielfaches
größer. Tagtäglich sind Menschen,
die nicht in das rechtsextreme, fremdenfeindliche
und antisemitische Weltbild von NPD und "Aktionsbüro
Rhein-Neckar" passen, der Gewalt auf der Strasse
ausgeliefert.
Die
Rheinland-Pfälzer Politik ist meist von Zurückhaltung
gekennzeichnet, wenn es um Rechtsextremismus vor der
eigenen Haustür geht, sei es in Landau, an der
Weinstraße oder sonstwo. Rechtsextreme Gewalt
wird gerne verschwiegen, das Problem bei den Opfern
gesucht oder ein wirres Konstrukt von Konflikten zwischen
Jugendlichen oder "Linken" und "Rechten"
herbeigeredet. Das Verheimlichen der Nazi-Veranstaltungen,
das Ordnungsämter, Polizei und Lokalpolitik gemeinsam
betreiben, ist dabei typisch - und die Nazis profitieren
davon. Ohne Gegenmobilisierung, ohne öffentliche
Beobachtung und ohne antifaschistischen Protest können
sie zuschlagen, einschüchtern und ihre Propaganda
verteilen.
Am
Samstag, den 15. Mai kündigt die NPD im Internet
bereits die nächsten "landesweiten Aktionen"
in Rheinland-Pfalz an.
Um
den Nazi-Terror in der Pfalz zu beenden, fordern wir
- Sofortige Veröffentlichung und Bekanntmachung
der Anmeldung von Naziveranstaltungen seitens der
Ordnungsämter
- Öffentlichen Protest gegen rechtsextreme Propaganda
- auch auf der Straße
- Schluss mit der Kriminalisierung derer, die sich
den Nazis entgegenstellen
- Schluss mit dem Totschweigen und Verheimlichen des
Nazi-Problems
Die
antifaschistische Selbsthilfe organisieren!
Kampf dem Faschismus auf allen Ebenen, mit allen Mitteln!
Ak
Antifa Mannheim, April 2007
Mitglied im Antifaschistischen Aktionsbündnis
Rhein-Neckar (AARN)
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