| Presseerklärung:
Antirassistische
Demonstration und restriktive Auflagen
Behörden
schikanieren wiederholt linke Demonstrationen in der
Rhein-Neckar-Region
Presseerklärung
des AK Antifa Mannheim vom 11.08.08
Ein
Bündnis linker und antirassistischer Gruppen
und Einzelpersonen aus
Mannheim und der Rhein-Neckar-Region ruft, unter dem
Motto "Das
Migrationsregime Angreifen, Abschiebungen Stoppen"
zu einer
Demonstration, am 30.08.2008 in Mannheim, auf.
Die Demonstration findet im Rahmen eines Österreich-
und
deutschlandweiten Aktionstags gegen Abschiebungen
statt, mit dem die
rassistische Abschiebepolitik der Europäischen
Union und ihrer
Einzelstaaten thematisiert werden soll.
Bereits
im Vorfeld probieren Behörden und Polizei die
Außenwirkung der
Demonstration einzuschränken und Möglichkeiten
zu deren Kriminalisierung
zu schaffen.
Per Auflagenbescheid wird unter anderem die zugelassene
Länge der
mitgeführten Transparente auf 1,50 Meter beschränkt,
das Mitführen von
Fahnenstangen untersagt und für je 15 TeilnehmerInnen
ein Ordner, mit
Warnweste verlangt.
Die unverhältnismäßig hohe Anzahl
an OrdnerInnen ist nichts als Schikane
gegen den Anmelder und das organisierende Bündnis
und stellt den Versuch
dar, die Kapazitäten zu strapazieren. Mit der
Beschränkung der Länge der
Transparente und dem Verbot Fahnen mitzuführen
soll direkt die
Außenwirkung der Demonstration geschmälert
und eingeschränkt werden.
Zudem wird mit Auflagen, wie diesen, bereits vorab
versucht, Vorwände
für polizeiliche Übergriffe und Repression
zu liefern.
Gerade der Vorwurf gegen die gestattete Höchstlänge
eines Transparentes
verstoßen zu haben, diente Polizeieinheiten
oftmals als Rechtfertigung
für repressives Vorgehen und Angriffe gegen linke
Demonstrationen.
Die aktuellen Versuche eine linke Mobilisierung durch
Auflagen zu
sabotieren, reihen sich ein in eine länger werdende
Kette von Schikanen.
Exemplarisch seien hier im Folgenden nur einige Beispiele
aus dem
letzten Jahr genannt:
Am
03.10.2007 demonstrierten ca. 700 Menschen durch die
Mannheimer
Innenstadt gegen Rassismus, Nationalismus und Kapitalismus.
Die Polizei
umschloss den kompletten Demonstrationszug mit weit
über tausend
Einsatzkräften. Transparente waren von außen
nicht mehr zu lesen, das
Anliegen der Demonstration, politische Inhalte sichtbar
zu machen,
Kritik zu artikulieren und zur Meinungsbildung im
öffentlichen Raum
beizutragen wurde zunichte gemacht.
Bereits im Vorfeld der Demonstration wurden TeilnehmerInnen
durch
Kontrollen schikaniert und durch Spezialeinheiten
und gepanzerte
Fahrzeuge eingeschüchtert.
Eine
Demonstration am 17.11.2007 zu der ein kurdischer
Kulturverein
unter dem Motto "Für eine demokratische
Lösung in Kurdistan" aufgerufen
hatte und an der über 1000 Menschen teilnahmen
wurde ähnlich wie bei der
Demonstration am 3.10 vollständig von einem Polizeispalier
umgeben. Im
Verlauf der Demonstration kam es zu mehreren Festnahme
und Übergriffen
durch Polizeibeamte.
Am
1. Mai 2008, entschlossen sich ca. 300 TeilnehmerInnen
einer 1. Mai
Kundgebung spontan eine Demonstration durchzuführen.
Die Polizei, die
schon zuvor mit vielen Hundertschaften, inklusive
mehrerer
Spezialeinheiten, im gesamten Innenstadtgebiet präsent
war, umschloss
die Demonstration innerhalb weniger Minuten mit einem
Spalier und
unternahm massive Versuche die Außenwirkung
der Demonstration zu
schmälern und die Demonstratinnen einzuschüchtern.
Im Laufe des Tages kam es bereits am Rande von antifaschistischen
Protesten gegen Naziaufmärsche in Kaiserslautern
und Neustadt an der
Weinstraße zu zahlreichen Übergriffen durch
Polizeieinheiten auf
DemonstrantInnen.
Am
06.05.08 protestierten ca. 50 Menschen gegen die,
am selben Tag
vollzogene, Abschiebung eines Flüchtlings. Um
den Protest zu den
Verantwortlichen zu tragen, zogen die DemonstrantInnen
vor das
Polizeipräsidium in L 6, wo die Demonstration
beendet wurde. Im
Anschluss kam es zu Übergriffen und Schikanen
durch die Polizei auf
TeilnehmerInnen. Zwei Polizeibeamte rissen einen mutmaßlichen
Teilnehmer
zu Boden, schlugen auf ihn ein, schleiften ihn an
seinen Haaren über den
Boden, um ihn anschließend festzunehmen. PassantInnen
und verbliebene
TeilnehmerInnen der Demonstration, die lautstark gegen
den Übergriff
protestierten, wurden daraufhin von der Polizei beleidigt
und bedroht.
Das
zunehmend repressivere Vorgehen, durch Polizei und
Behörden, setzt
das Recht auf Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit
faktisch außer
Kraft. Mannheim ist leider kein Einzelfall, immer
häufiger wird der
staatliche Versuch unternommen, soziale Konflikten
zu Kriminalisieren
und polizeilich zu Lösen.
Eine
Sprecherin des AK Antifa kommentierte: Den Versuchen
linke Politik
zu Kriminalisieren und zu reglementieren gilt es,
gemeinsam und
entschlossen entgegenzutreten. Wir hoffen, dass sich,
trotz und gerade
wegen der gehäuften Schikanen in der letzten
Zeit, viele Menschen an der
Demonstration am 30.08. beteiligen werden, um ein
starkes Zeichen gegen
staatlichen Rassismus, kapitalistische Verwertungslogik
und Repression
zu setzen. Wir werden uns nicht vorschreiben lassen,
wie wir zu
Demonstrieren haben. Dementsprechend werden wir Beschränkungen,
wie die
Begrenzung der Transparentlänge oder das Verbot
von Fahnen, nicht
akzeptieren. Die Polizei fordern wir auf jegliche
Schikanen und Angriffe
auf die Demonstration zu unterlassen und sich auf
das Regeln des
Verkehrs zu beschränken.
Die
Demonstration am 30.08.2008 wird bisher unterstützt
durch: den AK
Antifa Mannheim, Anarchistische Gruppe Mannheim, Bündnis
gegen
Abschiebungen (BgA) Mannheim, Die AktionsGruppe, Die
Linke, Juz in
Selbstverwaltung "Friedrich Dürr",
Linke Liste Mannheim, und die
Stadträtin Gudrun Kuch.
Die
beschriebenen Fälle sind umfassend dokumentiert.
Für Rückfragen
stehen wir gerne zur Verfügung.
AK
Antifa Mannheim, 11.08.08
|