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Capitalism - Den NATO-Gipfel sabotieren!
Gegen
Polizeistaat, Krieg und Standortlogik
Aufruf
des AK Antifa Mannheim gegen den NATO-Gipfel 2009
Am
3. und 4. April findet in Strasbourg und Baden-Baden
ein Gipfeltreffen der NATO-Staaten statt. Anlass ist
das 60-jährige Bestehen der NATO. Gehen soll
es dabei um nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit
des Militärbündnisses. Mit breitem Widerstand
und vielfältigen Aktionen von Friedensbewegung,
über Gewerkschaften bis hin zur außerparlamentarischen
radikalen Linken ist zu rechnen – ebenso mit
heftiger staatlicher Repression. Für uns ist
der NATO-Gipfel eine Gelegenheit, die Kritik am Unsinn
kapitalistischer Vergesellschaftung, dem Ausbau des
Polizeistaats und den Folgen kapitalistischer Verwertungslogik
aufzuzeigen und praktisch werden zu lassen. Wir rufen
daher dazu auf, den Ablauf des NATO-Gipfels zu sabotieren,
die Einsatzkonzepte der Polizei zum Scheitern zu bringen
und eine radikale Kritik des Bestehenden innerhalb
der Proteste sichtbar zu machen.
Global
Warzone
Geladene
Gäste sind neben Militärs, Regierungspersonal
und Politikern auch Vetreter von Rüstungslobby
und Privatwirtschaft, die eng mit der NATO verflochten
sind. Auf der Tagesordnung der NATO geht es unter
anderem um Themen wie die Integration der neuen ost-europäischen
Mitgliedsstaaten, aber vor allem auch um die künftige
Ausrichtung der NATO selbst. Die NATO hatte sich ursprünglich
als antikommunistisches Militärbündnis der
kapitalistischen Staaten gegen den staatsozialistischen
Ostblock konstituiert. Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion
richtete sich ihre Politik daher in erster Linie gegen
diesen. Die Politik der NATO-Staaten bestand im wesentlichen
einerseits in militärischer Abschreckung, was
zum Wettrüsten im so genannten Kalten Krieg führte,
andererseits in zahlreichen teils auch militätirisch
ausgetragenen Stellvertreterkonflikten um Einflusssphäre.
Mit dem Niedergang des Staatsozialismus seit Ende
der 1980er Jahre entfiel der NATO mit ihrem Hauptfeind
auch ihr primärer Legitimationsgrund. Seitdem
hat die NATO nicht allzuviel auf die Reihe bekommen.
Sieht man mal von der Zerschlagung Jugoslawiens ab,
sind die darauffolgenden Projekte keinesfalls erfolgreich
verlaufen. Während sich im Irak (wo wesentliche
NATO-Staaten an der Invasion und der Besatzungsverwaltung
beteiligt waren) erst allmählich, verbunden mit
hohen ökonomischen Kosten und militärischem
Aufwand, eine Befriedung der Situation einzustellen
scheint, spitzt sich die Lage in Afghanistan stetig
weiter zu. Mit dem Ende der durch die Blockkonfrontation
geprägten, bi-polaren Welt haben auch die Konflikte
zwischen den kapitalistischen Staaten um Einfluss,
Rohstoffe und den Zugang zu Märkten zugenommen.
Augenscheinlich wurde dies z.B. im Vorfeld des Irak-Kriegs
in den Auseinandersetzungen der BRD und Frankreichs
mit den USA. Deren Nicht-Beteiligung war keinesfalls
dem Pazifismus von “Old Europe” geschuldet,
sondern vielmehr divergierenden Interessenslagen und
gut laufenden Geschäften mit dem irakischen Regime.
Daher war man auch schnell zur Stelle als der einstige
Geschäftspartner Saddam Hussein aufgeknüpft
war und die Vergabe profitabler Aufträge zur
Reorganisation eines funktionalen irakischen Staatswesens
anstand. Eine Zunahme der Konfliktualität seit
Anfang der 1990er zeigt sich auch an zahlreichen militärischen
Konflikten und Kleinkriegen, z.B. in Afrika, unter
mal mehr, mal weniger direkter Beteiligung durch westliche
Staaten, aber auch durch Russland und China, die gleichermaßen
ihre Interessen durchzusetzen suchen. In den Auseinandersetzungen
um Rohstoffe und Einflusssphäre stehen die ehemals
staatsozialistischen Staaten den NATO-Staaten in nichts
nach. Das zeigte sich im Herbst 2008 als Russland
die NATO vorführte, indem es ihren Partnerstaat
Georgien zusammenschoss. Zudem melden auch aufstrebende
ehemalige Entwicklungsländer wie Indien oder
Pakistan ihre Ansprüche im globalen Hauen und
Stechen an. Angesichts der gegenwärtigen Krisenentwicklung
drohen sich die Konflikte eher noch zu verschärfen.
Staat,
Gewalt und Kapital
In
Kriegen und militärischen Konflikten tritt Gewalt
zwar am deutlichsten zutage, doch schon der kapitalistische
Normalbetrieb ist eine Zumutung und basiert grundlegend
auf Ausbeutung, Zwang und Gewalt. Kapitalistische
Produktion hat die Spaltung der Gesellschaft in Klassen
zur Voraussetzung: Einerseits in Besitzer der gesellschaftlichen
Produktionsmittel, die Kapitalisten [1], andererseits
in Menschen die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen,
um zu überleben. Die Kapitalisten kaufen diese
Arbeitskraft, um Waren zu produzieren. Die Arbeitskraft
wird gekauft und verkauft und ist also selbst warenförmig.
Die Möglichkeit durch Warentausch Profit zu erzielen
entsteht für die Kapitalisten dadurch, dass der
Lohn für geleistete Arbeit lediglich deren Marktwert
entspricht und sie sich die aus dem Arbeitsprozess
hervorgehenden Produkte aneignen. Nicht nur die Kontrolle
und Organisation des Produktionsprozesses unterliegt
also den Kapitalisten, diese eignen sich auch das
durch den Einsatz der Arbeitskraft erzeugte Mehrprodukt
an. Profite der Kapitalisten werden also durch die
Ausbeutung der Arbeitskraft zur Produktion von Mehrwert
erzeugt. Das Erzielen von Profiten ist im Kapitalismus
Zweck gesellschaftlicher Produktion. Die Befriedigung
der materiellen und sozialen Bedürfnisse der
Menschen ist den Zielen der kapitalistischen Produktion
untergeordnet. Sie spielen im Kapitalismus nur insoweit
eine Rolle, wie dies der Kapitalverwertung bzw. Profitmaximierung
dienlich ist. Im Kapitalismus geht es also nicht darum,
allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen
– wie es angesichts des gesellschaftlichen Reichtums
im globalen Maßstab längst möglich
wäre – vielmehr ist die Profitmaximierung
Selbstzweck. Unter dem Druck der Konkurrenz zwischen
den Kapitalisten fließt ein Großteil des
erzielten Profits von neuem in den Produktionsprozess
um weitere Profite zu erzielen, die Kapitalakkumulation
ist damit als unendliche angelegt. Bereits die Herstellung
kapitalistischer Produktionsverhältnisse war
nur durch den Einsatz massiver staatlicher Gewalt
möglich; beispielsweise wenn es darum ging, Menschen
von ihren Reproduktionsmitteln zu trennen, also z.B.
Bauern von ihrem Land zu vertreiben, um den Zwang
zur Lohnarbeit herzustellen, aber auch wenn es darum
ging, Arbeitsdisziplin herzustellen und die Menschen
in die Fabriken zu prügeln.
Die
Aufrechterhaltung der Klassen- und Produktionsverhältnisse
besorgt der Staat mit seinem Gewaltmonopol dadurch,
dass er durch Gesetze das Privateingentum und Rechte
aller StaatsbürgerInnen gleichermaßen schützt.
Die Einhaltung dieser Gesetze basiert auf der Androhung
von staatlicher Gewalt als Sanktion für den Verstoß
gegen diese. Somit schreibt der Staat mit dem Schutz
des Privatbesitzes der Produktionsmittel auch den
Zwang zur Lohnarbeit fest. Weiterhin agiert der Staat
als “ideeller Gesamtkapitalist” (Engels),
indem er die Rahmenbedingungen für eine gelingende
Kapitalakkumulation organisiert. Dabei geht es nicht
um die Interessen einzelner Kapitale, sondern darum,
die kapitlistische Wirtschaft als Ganzes am Laufen
und profitabel zu halten. Hierfür besteht für
den Staat schon ein struktureller Grund, da er sich
überwiegend aus Steuereinnahmen finanziert. Diese
wiederum hängen maßgeblich an einem Gelingen
der Kapitalakkumulation. Gerät also der Akkumulationsprozess
ins Stocken, betrifft dies auch die Handlungsfähigkeit
und die materiellen Grundlagen des Staates selbst.
Sicherheit
für den Standort...
Mitte
der 1970er Jahre geriet die Weltwirtschaft in eine
Krise, die zu zahlreichen gesellschaftlichen Umbrüchen
führte. Die Möglichkeiten zur Kapitalakkumulation
waren unter anderem mangels gewinnbringender Investitionsmöglichkeiten
an ihre Grenzen gestoßen. In den folgenden Jahren
wurden im globalen Maßstab Umstrukturierungen
durchgeführt, um die Rentabilität des Kapitals
wieder herzustellen. Im Wesentlichen bestanden diese
zum einen in einer Durchkapitalisierung neuer Bereiche
der Gesellschaft, um im Inneren durch die Privatisierung
vormals öffentlich organisierter Bereiche neue
Verwertungsmöglichkeiten zu schaffen. Zum anderen
wurde durch einen globalen Abbau von Handelsschranken
dem Kapital Zugang zu Märkten in aller Welt verschafft.
Gleichzeitig wurde überschüssiges Kapital,
das auf den Märkten der Güterproduktion
keine rentablen Investitionsmöglichkeiten fand
– ermöglicht durch eine weitgehende Liberalisierung
– auf Finanz- und Kapitalmärkten angelegt.
Durch die zunehmende Verlagerung der Profiterzielung
auf die Finanz- und Kapitalmärkte wurde die Krise
der Kapitalakkumulation jedoch nur zeitlich aufgeschoben
und letztlich verschärft.
Die
Nationalstaaten sind keineswegs Opfer dieses Prozesses.
Gerade die Regierungen und Kapitale der ökonomisch
starken Staaten haben diesen Prozess bewusst vorangetrieben.
Als Wirtschaftsstandorte konkurrieren sie darum, dem
international flexiblen Kapital möglichst attraktive
Verwertungsbedingungen zu bieten und versuchen, die
Interessen der an sie gebundenen nationalen Kapitale
durchzusetzen. Diesem Ziel werden zunehmend alle gesellschaftlichen
Bereiche untergeordnet.
Die
staatlichen Umstruktrukturierungen haben in den letzten
Jahrzehnten zu einer massiven Verschiebung der Klassenkräfteverhältnisse
zugunsten des Kapitals geführt. Mit dem Ende
der “Systemkonkurrenz” durch den Zusammenbruch
der Sowjetunion ist die kapitalistische Konkurrenz
global geworden. Daher sind auch soziale Zugeständnisse
an die Lohnabhängigen aus legitimatorischen Gründen
nicht mehr unbedingt nötig. Zudem sind die staatlichen
Möglichkeiten des materiellen Ausgleichs unter
dem Diktat der selbstgeschafffenen Konkurrenz der
Standorte generell kleiner geworden. Folge waren umfassende
Absenkungen von Löhnen und Verschlechterungen
von Arbeits- und Lebensbedingungen zugunsten steigender
Profite des Kapitals. In diesem Kontext sind die Ausweitung
eines immer prekärer werdenden Niedriglohnsektors,
Maßnahmen wie Hartz IV, die Zerschlagung von
Tarifverträgen oder die Ökonomisierung des
Bildungssektors zu sehen. Auch in den kapitalistischen
Metropolen ist Armut wieder zu einem Massenphänomen
geworden und immer mehr Menschen werden von den grundlegenden
Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe
ausgeschlossen.
Wurden
vormals Klassenkonflikte durch sozialstaatliche Zugeständnisse
integriert und die für ein Gelingen der Kapitalakkumulation
notwendige Bereitschaft zur Lohnarbeit durch materielle
Zugeständnisse gewährleistet, wird heute
primär auf autoritäre Konfliktlösung
und Zwang gesetzt. Soziale Konflikte werden zunehmend
als polizeiliches Problem behandelt, daher wird einhergehend
mit den Verschlechterungen der allgemeinen Lebensbedingungen
an Möglichkeiten zur präventiven Aufstandsbekämpfung
gefeilt und der Polizeistaat immer weiter ausgebaut.
Hierzu gehören neben Vorratsdatenspeichenrung,
den Diskussionen um Militäreinsätze im Landesinneren
oder ausufernder Überwachung öffentlicher
Räume auch die aktuellen Versuche zur Beschneidung
der Versammlungsfreiheit in Bayern, Baden-Würtemberg
und Niedersachsen. In Bayern ist bereits ein neues
Versammlungsgesetz verabschiedet worden, das darauf
abzielt, die wenigen Möglichkeiten, Protest auszudrücken,
die das Versammlungsrecht bisher geboten hat, weiter
zu beschneiden. War das bisherige Versammlungsrecht
ohnehin schon ein restriktives Mittel des bürgerlichen
Staates zur Reglementierung von Widerstand, soll mit
dem neuen Versammlungsgesetz die Möglichkeit,
grundsätzliche Kritik legal öffentlich zu
äußern, faktisch abschafft werden. In Baden-Württemberg
und Niedersachsen sind ähnliche Gesetze in Planung.
Auch an dem neuen Versammlungsgesetz wird deutlich,
dass die Angriffe auf Lebensbedingungen und der Ausbau
des Polizeistaates zwei Seiten der selben Medaille
sind. Vor dem Hintergrund wieder deutlicher zu Tage
tretender Klassenwidersprüche und einem wachsenden
sozialen Konfliktpotenzial, ist “Sicherheit”
und die staatliche Fähigkeit und Bereitschaft,
diese falls nötig autoritär herzustellen,
für das Kapital zu einem entscheidenden Standortfaktor
geworden. Daher wird auch der Abbau letzter bürgerlicher
Grundrechte und die Verschärfung der Repression
gegenüber tatsächlich oder potenziell Widerständischen
weiter vorangetrieben.
Mit
starker staatlicher Repression ist auch anlässlich
der Aktionen gegen den NATO-Gipfel zu rechnen. In
den letzten Monaten häuften sich die Einschüchterungs-
und Bespitzelungsversuche durch Staats- und Verfassungsschutz
gegen die radikale Linke. Über 50.000.000 €
werden zur Absicherung des Gipfels aufgewendet. Allein
auf deutscher Seite will man 14.000 PolizistInnen
gegen die DemonstratInnen einsetzen. Weiterhin will
die Baden-Württembergische Landesregierung Ende
März das neue Versammlungsgesetz verabschieden
und Landesinnenminister Rech plant bereits, die Polizei
mit neuen Waffen auszurüsten. Vorgesehen sind
unter anderem “neue Einsatzstöcke”
und “wirksameres Pfefferspray” das “besonders
für den Einsatz gegen gewalttätige Gruppen”
geeinet sei. Darüber, gegen wen diese eingesetzt
werden sollen, muss wohl nicht viel spekuliert werden.
Auch macht Rech keinen Hehl daraus, was er vorhat,
sollten sich DemonstrantInnen nicht regelkonform verhalten:
“...dann sperre ich die weg für die Zeit”.
...und
Krieg für den Standort
Der
Kapitalismus ist grundsätzlich ein von Konkurrenz
bestimmtes und krisenhaftes System. Die Kapitalbewegung
zielt stets darauf ab, die Kapitalmasse zu vergrößern,
eine bewusste gesellschaftliche Planung oder Steuerung
der Produktion ist unter kapitalistischen Produktionsbedingungen
somit schlicht unmöglich. Durch den Zwang der
Konkurrenz sind die einzelnen Kapitale unter Drohung
ihres Untergangs dazu gezwungen, den angeeigneten
Mehrwert zurück in den Akkumulationsprozess fließen
zu lassen. Somit ist dem Kapitalismus eine expansive
Tendenz von Grund auf eingeschrieben. Um den Verwertungsprozess
aufrecht zu erhalten, müssen stets neue Investitionsmöglichkeiten
erschlossen und gesellschaftliche Bereiche der Warenform
unterworfen werden. Aufgrund seiner inneren Dynamiken
stürzt der Kapitalismus die Menschenheit mit
einer zyklischen Regelmäßigkeit in kleinere
oder – wie derzeit – größere
Krisen. Kommt es dabei zu einem Absinken der Kapitalprofite
in größerem Umfang, muss der Staat, der
eben strukturell Klassenstaat ist, Maßnahmen
ergreifen, um dem entgegenzusteuern und die Rentabiliät
des Kapitals wieder herzustellen. Neben dem Drücken
der Löhne und der Verschlechterung von Arbeitsbedingungen,
geschieht dies auch dadurch, dass der Staat Zugang
zu neuen profitablen Investitionsmöglichkeiten
schafft. Grundsätzlich bestehen hierzu zunächst
zwei Möglichkeiten: Die innere und die äußere
Expansion. Die innere Expansion geschieht bespielsweise
durch Privatisierung vormals nicht warenförmiger
Gesellschaftbereiche, durch Rationalisierungmaßnahmen
im Produktionsprozess oder durch die Entwicklung neuer,
gewinnbringender Technologien. Die äußere
Expansion zielt darauf ab, dem (nationalen) Kapital
Zugang zu billigen Arbeitskräften, Märkten
und Rohstoffen außerhalb des eigenen Territoriums
zu verschaffen. Entweder wird der Zugang des Kapitals
direkt militärisch durchgesetzt, indem das jeweilge
Gebiet unter die eigene militärische Kontrolle
gebracht wird, oder offene Kapital- und Warenmärkte,
der Schutz des Privateigentums und das Niedrighalten
der Löhne werden durch politischen Druck, ökonomische
Abhängigkeiten (z.B. durch Kreditpolitik) und
andere Formen der Einflussnahme gewährleistet.
Staatliche Politik probiert also unter dem Druck der
globalen Standortkonkurrenz sowohl innerhalb des eigenen
Territoriums bestmögliche Verwertungsbedingungen
für das international flexible Kapital zu schaffen,
andererseits auch die Interessen des national verhafteten
Kapitals gegen andere Staaten durchzusetzen. Dadurch,
dass die einzelnen Staaten unterschiedliche Strategien
verfolgen und in unterschiedlichem Maß über
Machtmittel zu deren Durchsetzung verfügen, findet
das Kapital, das nicht an einzelstaatliche Räume
gebunden ist, eine Vielzahl unterschiedlicher Produktionsbedingungen
und Klassenkräfteverhältnisse vor, auf die
es nach Bedarf flexibel reagieren kann. Das Verhältnis
zwischen den kapitalistischen Staaten ist grundsätzlich
von Konkurrenz geprägt und somit gewalttätig,
auch wenn sie punktuell oder institutionalisiert im
Rahmen von internationalen Organisationen ihre Interessen
gemeinsam durchsetzen. Ein Staat probiert eben immer
seine Interessen bzw. die des nationalen Kapitals
durchzusetzen – sei es durch Druck, Drohung
oder eben, wenn dieser erfolgversprechend erscheint,
durch Krieg. Daran wird sich auch nichts ändern,
solange Staat und Kapitalismus nicht auf dem Müllhaufen
der Geschichte liegen.
Die
NATO heute: Interessen und Konflikte
Seit
dem Ende der Blockkonfrontation unterlag die NATO
zwar umfangreichen Veränderungen, doch ihre grunsätzliche
Funktion ist erhalten geblieben: Die Absicherung der
kapitalistischen Produktionsverhältnisse und
die Durchsetzung der Kapitalinteressen ihrer Mitgliedsstaaten.
In den 1990er Jahren verschärften sich, mit der
globalen Ausdehnung der Standortkonkurrrenz, auch
die Konflikte zwischen den ökonomisch und militärisch
starken westlich kapitalistischen Staaten. Gerade
das Verhältnis zwischen den USA und der EU war
von Konflikten um ökonomischen und politischen
Einfluss geprägt. Inzwischen hat die durch die
Wirtschaftskrise und die Militäreinsätze
ökonomisch stark angeschlagene USA ihre einstige
Stellung als dominantester Staat innerhalb der NATO
eingebüßt. Die EU-Staaten bewegen sich
inzwischen durchaus auf Augenhöhe. Trotz auch
weiter bestehender Konflikte besinnt man sich aber
zunehmend wieder auf gemeinsame Interessen. Der wesentliche
Grund hierfür dürfte darin liegen, dass
auch Russland und China ihre Kapitalinteressen zunehmend
offensiver vertreten, und dass die USA kaum noch in
der Lage sind, im globalen Rahmen im Alleingang Stabilität
und Sicherheit der Kapitalakkumulation zu gewährleisten.
Die Durchsetzung gemeinsamer Interessen im Allgemeinen,
die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse
und konkreter der Zugang zu Märkten, Rohstoffen
und Arbeitskräften werden mittels internationaler
Institutionen wie WTO,Weltbank und IWF organisiert
oder eben auch, als einer Art militärischem Arm,
durch die NATO. Vor dem Hintergrund der Krise und
zunehmender Konflikte und Instabilität soll die
NATO flexibler werden und zu einer global einsatzfähigen,
modernen Interventionsarmee ausgebaut werden. Ihr
wird künftig verstärkt die Aufgabe eines
militärischen Konflikt- und Krisenmanagements
zukommen. Neben der unmittelbaren Niederschlagung
unliebsamer Regime soll sie in die Lage versetzt werden,
auch allgemeine Rahmenbedingungen für eine gelingende
Kapitalverwertung zu schaffen. Hierbei wird die militärische
Schlagkraft schon jetzt durch eine Vielzahl von zivilen
Organisationen und Unternehmen unterstüzt, die
insbesondere nach Militärinterventionen, für
die Schaffung einer entsprechenden strukturellen und
gesellschaftlichen Struktur einbezogen werden.
NATO-Gipfel
sabotieren – Kapitalismus abschaffen
Neben
Absprachen und Organisatorischem dienen Veranstaltungen
wie der kommende NATO-Gipfel vor allem legitimatorischen
Zwecken. Hier sollen die praktizierten Politiken medial
in Szene gesetz werden. Anlässlich des 60-jährigen
Bestehens der NATO und dem Wiedereintritt Frankreichs
in das Militärbündnis sollen Einheit und
Geschlossenheit demonstriert und für die künftige
Ausrichtung der NATO geworben werden. Wir rufen dazu
auf, dieses Spektakel zu sabotieren und die NATO als
das anzugreifen, was sie ist: Eine Organisation kapitalistischer
Staaten, die dazu beiträgt die kapitalistische
Ausbeutung militärisch durchzusetzen und aufrechtzuerhalten.
Uns geht es dabei nicht darum, eine friedliche kapitalistische
Welt zu fordern, sondern vielmehr darum, praktisch
ein Ende kapitalistischer Vergesellschaftung voranzutreiben.
Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Krise zeichnet
sich bereits jetzt ab, das die Sicherstellung der
Kapitalprofite mit weiteren Angriffen auf die allgemeinen
Lebensbedingungen und mit weiterer polizeilicher bzw.
militärischer Aufrüstung einhergehen wird.
Hier gilt es, konkrete Formen des Widerstands zu entwickeln
und dabei eine kommunistische Perspektive klar zu
machen, die reformistischen Krisenlösungskonzepten,
die auf einen “New deal” und Klassenkompromiss
abzielen, sowie autoritären Formen der Krisenlösung
eine klare Absage erteilt. Unsere Krisenlösung
heißt Vergesellschaftung der Produktionsmittel!
Für
die soziale Revolution! Für den Kommunismus!
[1]
Wir benutzen an dieser Stelle bewusst keine geschlechtsneutrale
Schreibweise, um das patriarchale Unterdrückungsverhältnis,
das die Gesellschaft trotz des Aufstiegs einer Reihe
von Frauen in diese gesellschaftliche Klasse weiter
prägt, nicht zu verschleiern.
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