19:30
Uhr
Podiumsdiskussion "Schönau
nicht vergessen!"
Solidarisierung
mit MigrantInnen und der Umgang der
linken Szene mit den rassistischen
Ausschreitungen in Mannheim-Schönau
1992
Einleitungsreferat:
Matthias Möller, Kulturwissenschaftler
und Autor des Buches "Ein recht
direktes Völkchen"
Auf dem Podium: AktivistInnen der
linken Szene aus Mannheim, Heidelberg
und Frankfurt, die 1992 an den antirassistischen
Aktionen beteiligt waren
Moderation: Komitee Schönau nicht
vergessen!
Selbstverständlich
sah sich die linke Szene in Mannheim
zum Eingreifen gezwungen, als hunderte
RassistInnen im Mai '92 die AsylbewerberInnensammelunterkunft
im Stadtteil Schönau belagerten
und angriffen. Unterstützung
bekam sie dabei von AntirassistInnen
aus der übrigen Rhein-Neckar-Region
und vor allem aus Frankfurt. Die Tatsache,
dass in Schönau die Krawalle
nicht von organisierten Nazis ausgingen,
wie es beispielsweise in Hoyerswerda
der Fall war, hatte unterschiedliche
Erklärungsmuster zur Folge. Während
Frankfurter Gruppen mit dem Aufruf
zur "Vertreibung des Deutschen
Mobs aus den Straßen von Schönau"
nach Mannheim fuhren, gab es vor Ort
auch Versuche, die Vorfälle als
"fehlgeleiteten" Sozialprotest
zu erklären. "Rebellion
ist gerechtfertigt. Aber so geht’s
nicht!" war auf einem Flugblatt
als Überschrift zu lesen. Und
weiter: "Die Dummheit und Feigheit
mit der einige SchönauerInnen
versucht haben, ihre Wut auf die Verhältnisse
gegen Schwächere auszuleben ist
absolut widerwärtig. Es gibt
gute Gründe auf die Straße
zu gehen. Wohnungsnot, Mieten, Löhne
(...) Wir gehen davon aus, dass auch
in Schönau einige dieser Gründe
eine Rolle gespielt haben." Und
weiter: "Es ist nachvollziehbar,
wenn es zu Problemen zwischen den
Flüchtlingen und der Bevölkerung
kommt (...) Aber das entschuldigt
gar nichts! (...) Und die Herrschenden
lachen sich ins Fäustchen. Solange
die "unten" sich gegeneinander
ausspielen lassen, brauchen die "oben"
nichts zu befürchten". Dieses
Flugblatt wurde scharf kritisiert,
da eine rassistische Ideologie als
eigentliches Motiv ausgeschlossen
wurde. Möglicherweise kam es
dazu, weil eben nicht Nazis, sondern
die "ganz normale" Bevölkerung
des sozial schwachen Stadtteils die
Ausschreitungen initiierte. Für
eine Linke, die das deutsche Proletariat
als revolutionäres Subjekt zu
agitieren versuchte, war dies ein
schwerer Rückschlag. Wir wollen
bei der Podiumsdiskussion das Thema
näher beleuchten und Personen
zu Wort kommen lassen, die 1992 in
der linken Szene aktiv waren.
Matthias Möller,
Kulturwissenschaftler und Autor des
Buches "Ein recht direktes Völkchen"
wird zu Beginn der Veranstaltung eine
Einführung ins Thema geben. Er
wird kurz den chronologischen Ablauf
der Ereignisse referieren und die
verschiedenen linken Positionen darstellen.
Begleitet wird die Einführung
von Videomaterial aus den Lokalsendern
von '92.
Beginn 19.30
Uhr
JUZ Mannheim
Jugendzentrum in Selbstverwaltung
Am Neuen Messplatz
Käthe-Kollwitz-Straße 2-4
68169 Mannheim
Straßenbahn Linie 1 und 3
Haltestelle "Neuer Messplatz"
http://www.juz-mannheim.de